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Erpresst! 4/4

Knirschls abgrundtief blaue Augen verengen sich zu einer Linie. "Egal wasf du meinsft, unsf antun zfu können: Du wirsft unsf auf keinen Fall erpressfen!" Eine unangenehme Stille breitet sich aus, während die sonst so plapperwütigen Kaninchen den Eindringling anstarren. Keiner wagt es, einen Laut von sich zu geben. Nur Benbar kringelt sich immer noch auf der Wiese.

Der Fremde reißt einen Klee aus der Wiese. Eines nach dem anderen zupft er genüsslich die Blätter ab. "Ich nehme euren Klee", erklärt er dann trocken. Den Stiel zwischen zwei Fingern rollend.

Eine Woge des Entsetzens schlägt über Knirschl zusammen, und jede Feuchtigkeit weicht aus seinem Mund. Wie kann er ... der Klee war ein Geschenk. Wie will er ...? Seine Gedanken überschlagen sich, und er schiebt sie beiseite. "Kleehandel isft bei unsf illegal", kontert Knirschl betont gelassen, bemüht, seine Unsicherheit zu verbergen.

"Deine Witze helfen dir nicht. Ich nehme euch den Klee ...", er lässt eine kurze Pause um seinen Worten mehr Dramatik zu verleihen, "weg." Mit diesen Worten schnippst er den Stiel auf Knirschl zu.

Dieser widersteht dem Drang zu blinzeln. "Hier müssfte eh mal gemäht werden", erwidert er mit filmreifer Gleichgültigkeit. "Da hinten habe ich eine Sfensfe gesfehen." Er deutet mit dem Kopf hinter sich. "Geh, hol sfie dir ..." Und stolpere hinein, fügt er in Gedanken hinzu.

Der Fremde schüttelt wie in Zeitlupe und mit geschlossen Augen seinen Kopf. Mit beiden Händen fährt er durch den Klee. Prompt wird dieser dunkel wie Kaninchenköttel. Fällt in sich zusammen. Liegt wie Asche auf dem Boden. Mit weit aufgerissenen Augen starren die süß-weiß-flauschigen Kaninchen auf das zuvor noch grüne Areal, das nun nur noch vereinzelt bunte Farbtupfer aufweist wie Inseln in einem Meer aus Verbranntem und Verdorbenem. Selbst Benbar richtet nun misstrauisch seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Eindringling. Einige süß-weiß-flauschige Kaninchen tuscheln eifrig, und ihre Angst vibriert durch den Häschentollgrund wie ein tiefer Basston.

"Ein Sense brauche ich nicht!" Der Eindringling lässt seinen Blick über die süß-weiß-flauschigen Kaninchen streifen. Dann fixiert er Knirschl. "Ihr müsst folgendes erledigen, damit der ..."

"Moooment!", unterbricht ihn dieser barsch und streckt ihm eine Pfote entgegen. "Ich sfagte, wir lassfen unsf nicht erpressfen. Niemalsf!" Das Getuschel wird deutlich lauter.

"Schau dich um“, er breitet seine Arme aus. "Deine Artgenossen betrachten die Angelegenheit anders."

Knirschl sieht über beide Schultern und grummelt: "Sfie sfind meiner Meinung."

"Kommt zu einem Konsens!", befiehlt er. "Ich kehre bald zurück." Er erhebt sich aus seinem Schneidersitz, und holt tief und genüsslich Luft, als wäre sie zum letzten Mal so frisch.

"Wir erwarten dich nach Sfonnenuntergang", zischt Knirschl und rümpft seine Nase.

Der Fremde wirft ihm einen gleichgültigen Blick zu. Dann verschwindet er so plötzlich wie er gekommen ist. Feiner Staub der Kleeüberreste wir an der Stelle aufgewirbelt, wo der Eindringling saß. Nachdenklich starrt Knirschl durch den Staub. Dass lauter werdende Stimmenwirrwarr holt ihn zurück aus seinen Gedanken.

3.8.14 18:27


Erpresst! 3/4

"Nähäh ..."

Knirschl erstickt mit einem kurzen, strafenden Blick Benbars erneutes Auflachen. "Ey, dafür können wir nichtsf. Dasf isft genetisf ...", erklärt er mit scharfer Stimme, als wäre er ein jahrelanges Mobbingopfer gewesen.

Noch ehe Knirschl seinen Satz beendet hat, winkt der Fremde ab. "Ihr habt es doch am besten!" Sein Grinsen ist diabolisch. "Nochmal: Meinen Glückwunsch."

"Ja, danke“, zischt Knirschl. "Jeden Tag machen wir einen Ringeltanzf, um unsferen Dank für diesfe Hasfensfarte zfum Ausfdruck zfu bringen." Er zieht seine Oberlippe nach oben und deutet mit einer Pfote auf die Lücke zwischen den großen Vorderzähnen. Seine Oberlippe schnippt schmatzend in ihre ursprüngliche Lage. Er ballt seine Pfote zur Faust, schwingt sie mit einer drohenden Geste in der Luft: "Wir lassfen unsf nichtsf vorsfreiben!"

Zustimmende Rufe  ertönen von überall. "Genau! ... Rausf mit dir! ... Du wirsft dich wundern! ... Ich kann machen, dassf die Luft sftinkt. Nähähähä ...Knirsfl isft unsfer Kaninchen! ... Wessfen Fell sftrahlt am weißfesften?"

Die Mundwinkel des Fremden zucken bösartig. "Davon bin ich überzeugt ..." Er sieht sich mit einem Ausdruck in den Augen um, den Herrscher über ausgedehnte Länder haben. Mit einer Handfläche streicht er beiläufig, aber grob, über den vierblättrigen Klee.

"Hey! Komm ich zfu dir und grabsfe dein Essfen an?", fährt ihn Knirschl giftig an.

"Wag esf nicht zfu pfurzfen!", mischt sich Benbar ein. "Nicht dasf kleinsfte Lüftchen! Hasft du gehört?"

"... jedoch kann jeder Wille mit dem richtigen Druckmittel gebrochen werden." Die beiden Kontrahenten starren sich an. Die Blitze, die aus Knirschls Augen schießen, verpuffen in der widernatürlichen Gelassenheit seines Gegenübers. Es fühlt sich an, als wäre er die Ruhe vor dem Sturm, die Pause zwischen Kanonenschüssen. "Ihr seid im Grunde völlig abstruse Viecher. Ihr habt weißes Fell, trotzdem farbige Augen und ...

"Absftrusf sfind Gesftalten, die einfach auftauchen und direkt in den Sfneidersfitzf fallen ..."

"... von diesem Grünzeug hier, müsstet ihr sterben ..."

"Hier gibt esf keine Sfonne und trotzfdem isft esf sfo warm, dassf du hier im T-Sfhirt sfitzfen kannsft. Auch sfonderbar, hm? Wasf denksft du, wie besfissen esf isft, sfich nicht in die Sfonne legen zu können? ... Da isft esf nur gerecht, dassf wir azfurrote Augen …"

"Du meinst azurbl..."

"...azfurrote Augen haben und Klee futtern."

Der Fremde schüttelt verhalten seinen Kopf, als wolle er die Diskussion von sich abschütteln wie getrockneten Sand. "Jedenfalls, für abstruse Viecher wie euch gibt es entsprechende, ausgefallene Druckmittel", erklärt er mit gleichmäßiger und ruhiger Stimme. Abermals fährt er mit seiner Hand durch den Klee. Diesmal wirkt die Geste nicht so beiläufig.

2.8.14 17:58


Erpresst! 2/4

Dieser durchbohrt ihn mit einem Blick, der fragt, wie er es wagen konnte, zu sprechen, ohne dazu aufgefordert zu werden. "Euren Anführer!", wiederholt er mit Nachdruck, der jedoch von seiner Stimme nicht transportiert wird und weiteres Gelächter mit sich bringt.

"Nähähähä! Zfum Sfießfen", prustet Benbar, mit einer Hinterpfote auf die Wiese klopfend. Ein Ohr nur halb angestellt, schwingt es im Takt seines hellen Gelächters.

Knirschl wirft seinem Freund einen amüsierten Blick zu. "Vielleicht gibt esf bei unsf keinen Anführer?", erklärt er mit bestgelaunter Stimme und kratzt sich mit einer Pfote an seiner Nase. "Isft dir dasf in den Sfinn gekommen? Anführerlosfigkeit! Dasf isft der Fachbegriff dafür."

"Herzlichen Glückwunsch", entgegnet der Fremde trocken. Sein Blick könnte siedendes Wasser schlagartig in Eis verwandeln. "Du hast dich soeben zum Anführer gemacht. Ab sofort bist du dafür verantwortlich, was weiter geschieht." Er macht eine Pause um seine Worte wirken zu lassen. "Ihr müsst etwas erledigen." Er sieht Knirschl entschlossen an, mustert die wachsam aufgerichteten, großen Schlappohren, den im Verhältnis zum Rest des Körpers gigantisch wirkenden Kopf und die noch riesiger scheinenden, marineblauen Augen. Ein Paar weiße Zähne ragt unter der Oberlippe hervor. Von der gelb-blau-gescheckten Nase stehen seitlich, und kerzengerade, glitzernde Schnurrhaare ab, die hin und wieder nervös zucken.

Ihr müsst wissen: Die süß-weiß-flauschigen Kaninchen im Häschentollgrund sind nicht wie Erdenkaninchen. Sie sind ... viel, viel süßer. Würde es noch kein Kindchenschema geben, dann würde es nach ihnen definiert werden. Wären sie eine Süßspeise, würde jeder, der es auch nur wagte, an ihnen zu lecken, einen sofortigen Zuckerschock erleiden. Doch auf den Fremden scheinen sie keine Wirkung zu haben.

Wer ist dieser Kerl, dass er zum einen hier auftauchen kann und zum anderen die Dreistigkeit besitzt, uns Befehle erteilen zu wollen, schießt es Knirschl durch den Kopf. Ein flaues Gefühl macht sich in seinem Magen breit, und er rümpft seine Nase. "Nur weil du dasf mit dem Sfneidersfitz kannsft und wir nicht, heißft dasf noch nicht, dassf du unsf sfo beeindruckt hasft, um unsf herumkommandieren zfu können. Nene, sfo nicht. Auf gar keinen Fall! Wir ..."

"Ich sitze nicht nur im Schneidersitz", unterbricht der Eindringling ihn mit kühlem Tonfall, "sondern bin dazu noch einer fehlerfreien Aussprache mächtig."

 

[morgen mehr]  

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1.8.14 16:44


Erpresst!

Gegenwart.

Reichlich bunt betupftes Grün erstreckt sich, soweit das Auge reicht. Flache Hügel verschwimmen in der Ferne wie in einem seichten Morgennebel mit dem Horizont. Es ist so, wie es immer ist. Wie es schon immer war. Der hellblaue Himmel harmoniert mit dem Grün der Wiese, als wären sie die Geschmacksrichtungen süß und salzig. Die Farben der Blumen scheinen untereinander perfekt abgestimmt zu sein. Nichts beißt im Auge. Nichts stört das Antlitz dieses Ortes, der so schön und harmonisch wirkt, dass es schon fast wieder ekelhaft ist. Eine Sonne gibt es nicht. Es ist einfach hell. Mit dieser Helligkeit kommen Wärme und Geborgenheit in den Häschentollgrund, durch den kleine, süß-weiß-flauschige Kaninchen tollen und dabei ihre Freude mit Rufen, Pfeifen und munterem Geplapper zum Ausdruck bringen. Eine Gruppe in der Ferne springt Springseil, andere machen Rückwärtssaltos und wieder andere lassen sich das Grün schmecken. Es ist nicht irgendein Gras einer schnöden Wiese, das sie hinunterschlingen. Weit gefehlt. Es besteht fast ausschließlich aus: Vierblättrigem Klee.

 Plötzlich stoppt jedes Herumtollen. Nasen werden schnüffelnd in die Höhe gehalten, Schnurrhaare zucken. Etwas liegt schwer in der Luft wie der Gestank von Teer. Noch ehe sie es sehen, wittern sie, was es ist. Es riecht nach Ärger. Und dieser Ärger braut sich direkt vor ihren Augen zusammen.

Das kann nichts Gutes bedeuteten. Knirschl beobachtet mit zusammengekniffenen Augen, wie vor ihm der Himmel immer mehr zu flirren beginnt. Sich blitzschnell zu einer Person verdichtet, die sich sogleich, ohne die Hände zu benutzen, in den Schneidersitz begibt und dabei jeweils den einen nackten Fuß auf das jeweils andere Knie legt.

Der Eindringling sieht sich gelangweilt um. Bedenkt die um ihn herum sitzenden süß-weiß-flauschigen Kaninchen mit einem verächtlichen Blick. Deren übergroße, aufgestellten Schlappohren und die riesigen Augen, scheinen ihn kalt zu lassen. "Euer Anführer soll vortreten!". befiehlt er mit erstaunlich knabenhafter, geradezu femininer Stimme.

Knirschl muss sich beherrschen, nicht ob der Stimme in lautes Gelächter auszubrechen. Neugierig mustert er den Fremden, wie er in seinem gelben T-Shirt mit Aufdruck und einer Blauen Stoffhose dort, nur ein paar sprungweit vor ihm, im Schneidersitz hockt und eine Gelassenheit ausstrahlt, wie sie nur Mönche nach jahrzehntelanger Meditation haben.

"Nähähähä ...", hört er seinen guten Freund Benbar im Stakkato kichern, der das leise Prusten der Anderen deutlich übertönt.

"Sftarker Auftritt mit dem Sfneidersfitzf", unkt Knirschl den Fremden an. "Wer bisft du?"

 

... morgen mehr

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30.7.14 18:36





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